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Unbenanntes Dokument
Karl Ludwig Nessler- Erfinder, Unternehmer und Wohltäter

Er hat seine Heimat auch in Amerika nicht vergessen

Dieser Mann hat das Gesicht der Welt verändert. Er war keiner von den Großen, kein Politiker, kein Wirtschaftskönig und kein Religionsstifter. Er war ganz einfach ein arbeitsamer, kluger und tüchtiger Mensch. Ein Frisör aus dem Schwarzwald, Karl Ludwig Nessler, der Erfinder der Dauerwelle.

Mit diesen Worten schilderte ein ehemaliger Arbeitskollege das Wesen und das Wirken des in Todtnau geborenen Erfinders.

Karl Ludwig Nessler wurde am 2. Mai 1872 als Sohn des Schuhmachers Bartholomäus Nessler und seiner Ehefrau Rosina geborene Laitner in Todtnau geboren. Ihm war es nicht in die Wiege gelegt, dass er einmal als Erfinder und mehrfacher Millionär in Amerika sein Glück finden würde. Als am 19. Juli 1876 die Stadt Todtnau durch einen Großbrand fast völlig zerstört wurde, verlor auch die Familie Nessler ihr gesamtes Hab und Gut. Eine Zeitlang fand sie Unterkunft in einem vom Brande verschonten Haus im Stadtteil „Stützle“. Später erhielt Vater Bartholomäus Arbeit in der Fahrnauer Schuhfabrik. Deshalb zog er mit seiner Familie ins mittlere Wiesental.

Nach seiner Schulzeit begann Karl eine Lehre als „Barbier“ bei Meister Busam in Fahrnau. Dieser verlegte bald darauf sein Geschäft nach Schopfheim. Karl brach nach einigen Monaten seine Lehre ab und arbeitete zuerst in Waldshut und dann in der Schweiz. In einer Uhrenfabrik in Aarau hatte er Gelegenheit, nach Feierabend das Studium des menschlichen Haares fortzusetzen mit dem er sich seit seiner Schulzeit beschäftigt hatte. Doch sein unruhiges Blut trieb ihn bald weiter nach Basel, Mailand und endlich nach Genf. In der Zwischenzeit hatte er die italienische und die französische Sprache gelernt.

Hier in Genf beschloss er eine neue Frisörlehre anzufangen und sich weiter seinen Haarstudien zu widmen. In Genf arbeiteten die Frisöre im schwarzen Gehrock und die höheren Angestellten sogar in Frack und Zylinder. Hier änderte er auch seinen Vornamen von Karl in Charles um. Diesen neuen Namen behielt er bis zu seinem Tode bei.

Seine nächste Station war Paris wo er auch seine zukünftige Frau Katharina kennen lernte. Inzwischen waren seine Versuche, das Haar dauerhaft zu wellen, schon weit fortgeschritten. Seine Freundin erklärte sich nach einigem Zögern bereit, für die erste Dauerwelle ihren Kopf hinzuhalten. Trotz Brandblasen und versengten Haaren auf dem Kopf des „Opfers“ war nach dem Versuch zu erkennen dass die Sache funktioniert hat. Die Dauerwelle war erfunden.

Aber noch war vieles zu verbessern. Erfolge wechselten mit Rückschlägen. Noch war es zu früh, mit der Erfindung an die Öffentlichkeit zu treten. Seine nächste Station war eine leitende Stellung in einem vornehmen Frisörgeschäft in London. Nach einiger Zeit gab Nessler seine gutbezahlte Stellung auf und machte sich selbständig. In einem kleinen gemieteten Geschäft versuchte er neben der normalen Frisörarbeit auch Kundinnen für seine Dauerwellen zu finden. Jedoch der Erfolg mit den gewellten Haaren hielt sich in Grenzen.

Im Jahre 1904 brachte eine andere Erfindung von Nessler Geld in die Kasse. Es waren künstliche Augenbrauen und Augenwimpern, die er sich gleich patentieren ließ. Mit einer selbstgebauten Vorrichtung war es ihm gelungen, Augenwimpern so täuschend echt herzustellen dass sie nach Deutschland, Frankreich und sogar bis nach Argentinien verkauft werden konnten. Jetzt, als es langsam aufwärts ging, heiratete er seine langjährige Freundin Katharina. Um auch seinen Nachnamen französisch klingen zu lassen, änderte er ihn auf den Rat seiner Frau von Nessler auf Nestle um.


Englische Patentschrift aus dem Jahre 1909
über das Nesslersche Dauerwellenverfahren.
Der 8. Oktober 1906 gilt als Geburtstag der Dauerwelle. An diesem Tage wagte sich Nessler zum ersten Mal mit seiner Erfindung an die Öffentlichkeit. In mehreren Anzeigen in Fachzeitschriften in England und im Ausland lud er seine Kollegen ein, sein neues Verfahren zu besichtigen. Da er noch keinen Patentschutz erhalten hatte, führte er nicht das Legen der Dauerwellen vor, sondern präsentierte zwei Damen die von ihm bereits eine „Dauerondulation“ erhalten hatten. Obwohl allgemein anerkannt wurde dass Nesslers Angaben der Wahrheit entsprachen, lehnten die anwesenden Frisöre die Dauerwelle glattweg ab. Aber Nessler gab nicht auf, noch im Jahre 1906 gründete er die Firma Nestle u. Co. in London. Immer wieder versuchte er sein System zu verbessern, was ihm auch Schritt für Schritt gelang.

Im Jahre 1908 war es endlich soweit, Nessler erhielt auf seine Erfindung der Dauerwelle einen internationalen Patentschutz zugesprochen. Jetzt konnte er in großem Stile Reklame machen. Langsam aber stetig stieg die Zahl der Londoner Damen die sich die teuren Dauerwellen leisteten. Bald konnte ein neues Geschäftshaus bezogen werden. Lizenzen vergab Nessler nach Deutschland, der Schweiz und nach Österreich.

Eine wesentliche Vereinfachung ergab sich im Jahre 1909. Das Verfahren wurde von feuerbeheizten Zangen auf elektrische Heizpatronen umgestellt. Nesslers Arbeit war inzwischen so bekannt geworden dass er sogar mehrmals nach Paris gerufen wurde um reichen Damen eigenhändig Dauerwellen zu legen. Die Geschäfte liefen jetzt so gut dass Nessler im Jahre 1911 ein „Haus der Dauerwelle“ in der Stadtmitte von London bauen konnte. Hier befanden sich neben großen und vornehmen Geschäftsräumen auch eine Werkstätte für die Produktion der Dauerwellenapparate. Waren bisher nur zwei Heizpatronen eingesetzt worden, so gelang jetzt eine Konstruktion mit mehreren Patronen. Dadurch verkürzte sich die Behandlungszeit ganz wesentlich.

Der Ausbruch des I. Weltkrieges brachte das Ende des Hauses für Dauerwellen. Nessler wurde als Ausländer behandelt und kam in ein Internierungslager. Sein Geschäft wurde beschlagnahmt und später als Feindeseigentum versteigert. Nessler gelang die Flucht aus dem Lager und im Januar 1915 fuhr er als Mister Miller getarnt, auf einem Dampfer nach Amerika.


Haus der Dauerwelle in London

Obwohl er in England alles verloren hatte, war er doch guter Dinge. Er hatte ja seine Erfindung auch in Amerika patentieren lassen und er hoffte, in kurzer Zeit die Produktion von Dauerwellenapparaten aufnehmen zu können. Groß war jedoch seine Enttäuschung als er nach seiner Ankunft in New York feststellen musste, dass es bereits viele täuschend echt nachgemachte Geräte auf dem Markt gab. Doch die damit geleistete Arbeit entsprach nicht den Erwartungen der Kundschaft. Viele Frauen hatten das Vertrauen in die Dauerwellenbehandlung verloren.

Trotzdem gründete Nessler ein kleines Geschäft und versuchte durch Anzeigen und Zeitungsinserate Kundschaft zu gewinnen. Er war damit erfolgreich und konnte schon nach sieben Monaten sein Geschäft vergrößern. Nessler beschäftigte am Anfang vier Personen. Fünf Jahre später waren es zweiundzwanzig Angestellte und wieder musste das Geschäft vergrößert werden. 1919 durfte endlich auch Frau Nessler mit ihren vier Kindern aus England ausreisen. Nesslers Unternehmen wuchsen weiter, so gab es neben drei Geschäften in New York noch Original Nestle Dauerwellensalons in Chikago, Philadelphia, Palm Springs und in Detroit.

Für Frauen die sich wegen der großen Entfernung zur nächsten Stadt keinen Frisörbesuch leisten konnten, baute Nessler auch elektrisch betriebene Heimgeräte zum Preis von 15 Dollar. Die Packung enthielt alles was zur Selbstherstellung einer Dauerwelle nötig war. Auch dieses Geschäft wurde ein Erfolg. Allein in den Monaten September und Oktober 1922 stellten die Werkstätten von Nessler 30000 Geräte her, alle mit vollem Rückgaberecht bei Nichtgefallen. Sein neuer Prospekt enthielt 27 kosmetische Artikel. Seine jährlichen Ausgaben für Werbung betrugen 300000 Dollar. Beschäftigt waren bei ihm gegen 500 Leute, darunter auch einige Mitarbeiter aus seiner alten Todtnauer Heimat.

Als im Jahre 1923 die Inflation in Deutschland ihrem Höhepunkt zusteuerte und überall Arbeitslosigkeit und Hunger herrschte, überlegte man auch in Todtnau wie man die größte Not lindern könnte. Da fasste der Rat der Stadt den Entschluss, die zu Wohlstand gekommenen Auslandstodtnauer um Unterstützung zu bitten. Einer der ersten die Hilfe versprachen war Karl Ludwig Nessler. Er schickte 34 Tonnen Kleider und Wäsche aller Art nach Todtnau. Die Verteilung der Spenden an die notleidende Bevölkerung wurde im Hotel Ochsen vorgenommen. Nessler war extra aus Amerika angereist und überwachte die Verteilung seiner Spenden. Auch fuhr er mit dem Todtnauer Fabrikanten Alfred Laile mehrmals übers Land und kaufte Kartoffeln und Getreide ein. Möglich wurde dies durch die harten Dollars die Mister Nessler auf die Tische der Bauern legte. In den folgenden sieben Jahren hat er mehr als 20000 Mark, in der damaligen Zeit eine bedeutende Summe, zur Linderung der größten Not nach Todtnau geschickt.

Auf dem Höhepunkt seiner Unternehmen im Jahre 1928 verkaufte Nessler seine Geschäfte und Fabriken sowie seine Patente für über 1,5 Millionen Dollar und zog sich zum weiteren Haarstudium in sein kleines Labor zurück. Einen großen Teil seines Vermögens hatte Nessler in Kupferaktien angelegt. Am schwarzen Freitag im Oktober 1929 kam es in New York zum Börsenkrach. Über Nacht waren Nesslers Aktien wertlos geworden, er erlitt Verluste von mehreren Millionen Dollar. Aber noch besaß er einige andere Wertpapiere, auch blieb ihm sein Haus mit dem großen Park. Er war kein armer Mann geworden. Doch kurz darauf folgte der nächste Schlag. Ende 1929 brannte sein Haus und sein Labor ab. Nessler konnte sich nur mit dem Schlafanzug bekleidet retten. Alle seine Aufzeichnungen sowie die Lizenzverträge wurden ein Raub der Flammen.

Nessler brauchte fünf Jahre bis er sein zweites Buch veröffentlichen konnte. Darin beschrieb er seine neueste Erfindung mit der er hoffte wieder viel Geld verdienen zu können. Es handelte sich dabei um ein Gerät das die Haut pflegen und den Haarwuchs fördern sollte. Besonders den Trägern einer Glatze könne damit geholfen werden. In Anlehnung an seinen Namen nannte er den Hautverjüngungsapparat „Cha Ness“. Nochmals fünf Jahre dauerte es bis das Gerät produktionsreif war.

Da brach der Zweite Weltkrieg aus und in Amerika wurden die Rohstoffe beschlagnahmt. Nessler musste für die Dauer des Krieges seinen Betrieb schließen. Aber gleich nach Kriegsende begann er voller Energie mit der Produktion seines Cha Ness. Jedoch die Erfindung konnte sich nicht durchsetzen, das Gerät fand keinen Absatz. Nessler musste die Produktion wieder einstellen. Das war ein schwerer Schlag für den erfolgsgewohnten Geschäftsmann. Er hatte die Wirkung und die Möglichkeiten seines Apparates weit überschätzt. Enttäuscht und verbittert zog sich vom öffentlichen Leben zurück. Nur noch einmal tauchte der Name Nessler in Amerikas Presse, Rundfunk und Fernsehen auf. Er erhielt im Jahre 1949 einen Ehrenpreis, der von einer großen amerikanischen Frauenorganisation gestiftet wurde.


Die vier Bücher von Nessler über das menschliche Haar.

Von Krankheit und Sorgen geplagt verbrachte er seine letzten Lebensjahre einsam und allein in seinem Haus. Karl Ludwig Nessler starb am 22. Januar 1951 in Harrington Park, New Jersey (USA).

Aber Todtnau hat seinen berühmten Sohn nicht vergessen. Die Stadt ließ bald nach seinem Tode am Haus in der Lindenstraße eine Gedenktafel anbringen und nannte eine Straße im Stadtteil Grund „Karl Ludwig Nesslerstraße“.

Anlässlich des 90 jährigen Jubiläums der Erfindung der Dauerwelle im Jahre 1996 fand in der Silberberghalle in Todtnau ein international besetztes „Karl Ludwig Nessler Jubiläums- Frisieren“ statt. Gleichzeitig wurde ein Karl Ludwig Nesslerpreis geschaffen.


 

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